Aktuelles aus dem STRALSUND MUSEUM

Neue Ausstellung im Marinemuseum:

Kriegsschiffe unter Segeln

Im 17. bis 19. Jahrhundert kämpften Europas Mächte mit großen Segelkriegsflotten um die Herrschaft auf den Weltmeeren. Auch auf der Ostsee kreuzten und kämpften beeindruckende Großsegler. Hiervon und wie es dazu kam, erzählt eine neue Ausstellung im Marinemuseum Stralsund.

Bereits die Hansestädte bewaffneten ihre vorrangig für den Warentransport entwickelten Koggen zum Schutz vor Überfällen und stellten bei Bedarf Flotten auf. Detailgetreue Schiffsmodelle zeigen die folgende Entwicklung der Segelkriegsschiffe hin zu den imposanten Großseglern mit mehreren Kanonendecks. Im 17. Jahrhundert bildeten sich einheitliche Schiffstypen wie Linienschiffe, Fregatten und Korvetten heraus. Ein Blickfang im komplett neu gestalteten Raum ist das Holzmodell des schwedischen Linienschiffs Prins Carl im Maßstab 1:45. Es stammt aus der Sammlung des STRALSUND MUSEUM.

Die Ausstellung wurde im Zusammenspiel zwischen Förderverein und Museumsteam erstellt. Das Marinemuseum ist noch bis Ende Oktober von Dienstag bis Sonntag von 10-17 Uhr geöffnet.

Baumaßnahmen im STRALSUND MUSEUM

Das STRALSUND MUSEUM ist am Standort Katharinenkloster ab dem 2. September 2019 geschlossen.

An diesem Tag beginnen umfangreiche Baumaßnahmen im Haus, die künftig einen barrierefreien Zugang des gesamten Museums ermöglichen.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Öffnung des Museums in den Stadtraum. So sind nach Abschluss der Baumaßnahmen der Remterhof und Teile des Kreuzganges auch ohne Eintrittskarte kostenfrei zugänglich. 
Das erste Obergeschoss der Ernst- Moritz-Arndt-Schule steht in Zukunft für die Bildungsarbeit zur Verfügung, es soll ein Besucheratelier und ein Schaudepot beherbergen.

Museumsgeschichten

„Zum ewigen Andenken behalten“ - Das Silber der Stralsunder Handwerksämter

Das Amtssilber spielte in der Geschichte des Stralsunder Handwerks eine bedeutende Rolle. Es war Ausdruck der Wirtschaftskraft der Gewerke und zugleich wesentliches Gerät ihrer traditionellen Zeremonien.

Noch heute hat das STRALSUND MUSEUM Teile dieses Schatzes in seiner Sammlung. Dazu zählen Pokale, Becher und Anhänger an den Pokalen sowie Schaffhölzern. (1, 2) Dennoch ist dieser Bestand nur noch ein bescheidener Rest im Vergleich zu dem früheren Silberbesitz der Handwerksämter, der eine wechselvolle Geschichte hat. 

Im 16. Jahrhundert verfügte der Rat der Stadt auf Anregung des Bürgermeisters Roloff Möller, dass die zu einem Handwerksamt zugelassenen Meister und die neu gewählten Altermänner dem Gewerk Silber zu stiften hatten. Dafür sollten die meist ausschweifenden Meister- und Altermannköste abgeschafft bzw. eingeschränkt werden. (3) Mit diesem Spardiktat wollte der Magistrat der zunehmenden Genuss- und Verschwendungssucht der Bürger entgegenwirken. Dahinter verbarg sich aber auch ein weitblickender politischer Gedanke. Das Silber, das meist beim worthabenden Altermann und später auch beim Ladenmeister in der Amtslade (4) aufbewahrt wurde, durfte zwar bei den geselligen Zusammenkünften in Gebrauch genommen und auch zur Heirat von Meistern gegen eine Gebühr ausgeliehen werden, die Hoheit darüber hatte aber der Rat. Auf diese Weise sammelte die Stadtverwaltung einen Schatz an, auf den man in Notzeiten zurückgreifen konnte. Deshalb wurde in den Statuten der Ämter seit Mitte des 16. Jahrhunderts genau festgelegt, wie viel Silber jeder junge Meister bzw. neu gewählte Altermann abzugeben hatte. In der Rolle der Weiß- und Festbäcker von 1541 heißt es dazu, dass jeder neue Amtsbruder „ein sülverne bereydt und gemaked Kleynot van Achte Gulden Münte“ schuldig sei. Grundsätzlich wurde Silber mit einem bestimmten Gewicht gefordert. Dieses konnte je nach Wohlstand des Amtes durchaus schwanken. Der Rat wachte über die Vermehrung und Sicherheit des Schatzes und bestellte die Ämter jährlich um den 20. Januar ins Rathaus zur Vorweisung des Silbers.  Ab 1573 führte er darüber genaue Verzeichnisse.

Planten die Handwerker Geldsammlungen für die Anschaffung eines Pokals, unterlag auch dieses Geld der Kontrolle des Magistrats. Als Bürgermeister Lambert Steinwich beispielsweise 1618 feststellte, dass die Böttcher Meister- und Altermannsbeiträge beim Bau des Amtshauses verwendet hatten, wurden sie aufgefordert, den fehlenden Betrag in die Kasse zurückzuzahlen. Steinwich meinte lakonisch, sie sollten ihr Haus lieber verkaufen, wenn sie es nicht instand halten könnten. Der Streit zog sich eine Weile hin, aber die Böttcher statteten den Betrag tatsächlich bis auf wenige Münzen zurück.

Um 1580 zählte der Silberschatz der Handwerksämter 345 Objekte. 1590 war er bereits auf 432 Becher sowie Pokale angewachsen und erreichte 1619 mit 775 Exemplaren den Höchststand. Einen ersten Eingriff in diese Kostbarkeiten gab es in den innerstädtisch äußerst unruhigen Jahren 1612 bis 1616. In dieser Zeit brach der Pommernherzog Philipp II. Julius das Regierungsmonopol des Rates und räumte mit dem neuen Bürgervertrag von 1615 Vertretern der Bürgerschaft aus den vier Quartieren und den „Hundertmännern“ Mitbestimmungs- und Kontrollrechte ein. An dieser neuen Form der Machtausübung waren auch die Viergewerke der Handwerker beteiligt. Als Dank schenkten die Ämter dem Pommernherzog große silberne Pokale, die sie aus eingeschmolzenen Silberbechern anfertigen ließen. So erhielt der Landesfürst etwa 28 Kilogramm Silber. Weitere Gaben im Werte von 425 Gulden komplettierten das großzügige Präsent.

Obwohl der Bürgervertrag von 1616 die Silbergabe durch das Handwerk verbot, ignorierte der Stralsunder Rat diese Festlegung. Als ein Jahr später die Ämter wieder ins Rathaus zitiert wurden, galt das Interesse lediglich der Frage, wie viel Silber „abhanden“ gekommen war. Eine Neuanschaffung wurde nicht gefordert.

1627/28 spielte der Handwerkerbesitz während der Wallensteinschen Belagerung wieder eine bedeutende Rolle. Um Geldmittel für die Verteidigung aufzubringen, schlug der Rat verschiedene Wege vor: weitere Anleihen, Steuererhöhungen und die Abgabe der Hälfte des Silberschatzes der Gewerke. Die Einschmelzung der silbernen Wertgegenstände der Handwerksämter erbrachte etwa 80 Kilogramm Silber. Daraus wurden in der Stralsunder Münze 2688 Taler geprägt. In der Folgezeit konnte das Handwerk nie mehr einen solchen Reichtum zusammentragen. Das lag zum einen am allgemeinen Niedergang der Gewerke und anderseits an den neuen Machtstrukturen. Der Magistrat hatte unter der Schwedenherrschaft kein Interesse mehr daran, Vorsorge für schwere Zeiten durch Selbsthilfe zu schaffen und hielt nicht mehr streng an der einstigen Silberstiftung fest. Dennoch finden sich in den Amtsrollen der Gewerke aus dem 17. und 18. Jahrhundert Bestimmungen zur „Hebung des Silbers“.  Und dass tatsächlich noch verwertbare Kostbarkeiten vorhanden waren, zeigte sich 1715 während der Belagerung der Stadt durch dänische, preußische und sächsische Truppen. Auch 1807, die Franzosen besetzten die Stadt, wirkte das Handwerk als Helfer in einer besonderen Notlage. Während 1627/28 das Silber der Ämter ohne Entschädigung abgeliefert werden musste, schrieb der Rat 1712 die Auslagen durch das Kapital der städtischen Güter Neuendorf und Hermannshagen gut. Allerdings verlangte er, dass von dem rückgezahlten Geld das Silber wieder eingelöst bzw. neues angeschafft werden solle. Dem folgten u.a. die Branntweinbrenner. Sie erklärten in der Inschrift auf ihrem neuen Pokal von 1764 aber unmissverständlich, dass er nicht „verkaufft versetz verschmelts noch verschenk, sondern zum ewigen Andenck behalten“ werden sollte. (5)

Auch während der französischen Besetzung brauchte die Stadt schnell neue Barmittel und veranlasste die Gewerke erneut zur Veräußerung ihres Silbers oder erwartete Bargeld in entsprechender Höhe. Einige Ämter retteten ihre Kleinodien durch Barzahlungen oder kauften wie die Tischler, ihren Willkomm zurück. (6) Die Schiffercompagnie hingegen veräußerte in einer Auktion im Oktober 1807 ihr Silber und Zinn und erzielte daraus 439 Taler. Unter den meist Stralsunder Käufern waren Kaufleute, Handwerker und Schiffer.

In nachfolgender Zeit wurde der Brauch der Silberspende nicht mehr wiederbelebt. Nur ein kleiner Becher des Branntweinbrenneramtes von 1810 lässt den Willen dazu in einer Inschrift aufleben: „Durch Krieg und Belagerung Chor/ vermißte ich meine Brüder/ Doch trat ich stolz hervor/Und war der erste wieder.“

Bildergalerie der Besonderen Exponate...

Gegen den bösen Geruch - Duftkugel als Universalheilmittel

Bisamapfel aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts

Die ursprünglich aus dem Orient stammende Duftkugel (Bisamkugel, Bisambüchse, Riechapfel, pomum ambre) ist ein kunstvoll gearbeitetes Schmuckgehäuse in Apfel- oder Kugelform zur Aufnahme von Bisam (Moschus) oder anderer ähnlich stark duftender Aromatica wie Harze und Dufthölzer, Gewürze oder Kräuter. Sie kaschierte oftmals nicht nur den eigenen unangenehmen Körpergeruch, sondern galt als Universalheilmittel bei Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verdauungs- und Potenzproblemen sowie als Mittel zur Herzstärkung, zum Schutz vor Infektionen und zur Dämonenabwehr.

Je nach Indikation konnte man den kleinen Behälter an Nase, Hals oder vor das Gesicht halten, in den Händen tragen oder an den Puls anlegen. Da er bei wohlhabenden Menschen hochwertig gearbeitet war und meistens aus Edelmetall bestand, diente er gleichzeitig als Schmuck. Aber nicht nur reiche Leute trugen einen Duftapfel bei sich, sondern auch Arme. Dieser enthielt statt des kostbaren Moschus billige Kräuter, die sich oft in durchlöcherten Holzdöschen befanden. Für Stralsund ist die Nutzung von Riechäpfeln erstmals in einer Urkunde von 1318 belegt. Neben einem „Handapfel“ befanden sich in der dort beschriebenen Schatzkiste des Herrn Starkow, der aus der gleichnamigen rügenschen Adelsfamilie stammte, weitere repräsentative Luxusgüter wie ein Kristallkreuz, ein Moschusgefäß und ein silberner Gürtel.

Große Verbreitung fanden Riechäpfel während der Pestepidemien. Der damaligen Auffassung zufolge war die Pest „die drohende Zornesrute Gottes“, der man mit fleißigem Gebet und Bereuen aller Sünden entgegenwirken solle. Aber auch unreine Luft fördere die Ansteckungsgefahr mit Krankheiten, so dass man mit Ausräucherungen und Verwendung von Riechäpfeln dieses verhindern müsse.  Deshalb verordnete man den Reichen Moschus sowie Ambra und den Armen Labdanum, ein Harz, das aus verschiedenen Arten von Zistrosen gewonnen wurde.

Um der Vielfalt der Duftrezepturen gerecht zu werden, verfügt unser Bisamapfel über vier Unterteilungen mit den Bezeichnungen Canelbalsam (Zimt), Maioranbalsam, Bernsteinoil und Midrithat. Letzteren Heilwurzelextrakt verwendete auch der Stralsunder Bürgermeister Nikolaus Gentzkow prophylaktisch während der Pest 1565.  In seinem Tagebuch vermerkte er, dass er „kleine potken“ mit „Tyriac und Mithridat“ aus Greifswald erhalten habe.

Obwohl sich Riechäpfel bis in das 17. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten, sind heute nur noch wenige Exemplare in Museen oder Privatsammlungen erhalten.

Text: Dr. Regina Nehmzow

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