Sanzkower Altar

Zu den schönsten sakralen Ausstellungsstücken des Kulturhistorischen Museums gehört der so genannte Franziskus-Altar (auch genannt Sanzkower Altar).

Um 1525 entstanden, gehörte das qualitätvolle Kunstwerk ursprünglich in die Kirche von Sanzkow, im Kreis Demmin. Während der Renovierung der Dorfkirche, im Jahre 1864, wurde es an das damalige Provinzialmuseum für Neuvorpommern und Rügen in Stralsund verkauft.

Während das Flügelaltarretabel und der Schrein aus Eiche gefertigt wurden, entstanden die Schnitzereien aus Lindenholz.

Das Bildprogramm des Altarretabels, das Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus von Assisi darstellt, lässt vermuten, dass der Altar seine Entstehung dem Franziskanerorden verdankt und wahrscheinlich erst in nachreformatorischer Zeit in der Sanzkower Dorfkirche aufgestellt wurde.

1. Altarwandlung – Sonntagsansicht

In der Ausstellung des Katharinenklosters ist der Altar in seiner Sonntagsansicht zu sehen – der 1. Wandlung. Die Malereien ergeben bei verschlossenen Kastenflügeln einen Zyklus von acht Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus von Assisi als Gründers des Franziskanerorderns. Die Szenen sind durch nur noch zum Teil lesbare Unterschriften erläutert.

1. HIR VERLASST ... – FRANSISKUS VADER UN MODER – Franziskus verlässt das Haus seiner Eltern, nachdem er sich der äußeren Hülle seines Lebens (Lederriemen mit Geldbörse, Gewand und Schuhe) entledigt hat; sein Vater, der die Wandlung des Sohnes vom Ritter zum Asketen missbilligt, weist ihn zornig hinaus.

2. HIR UME... – Franziskus heilt mit seinem Kuss einen Aussätzigen. Diese Szene nimmt Bezug auf einen Lebensabschnitt unmittelbar nach dem Auszug aus dem Elternhaus, in dem Franziskus sich vor der Stadt (die Kranken waren isoliert) der Pflege der Aussätzigen widmete (und eigentlich noch keine Brüder um sich versammelt hatte).

3. HIR PREDEKET FRATER FRANSISKUS VOR SINE BRODEREN – Ab 1208 hatte Franziskus angefangen, öffentlich zu predigen und Gefährten um sich zu sammeln. Der erste war Bernhard von Quantaville, der mehrmals dargestellt und durch ein rotes Buch hervorgehoben ist.

4. HIR WERD... – Versuchung und Anfechtung des Franziskus durch eine schöne Frau in prächtigem Gewand und einen Dämon.

5. HIR PREDEKET FRATER FRANSISCUS VOR DEN WILDEN DEREN – Franziskus ist an seinen Stigmata (den Wundmalen Christi, die er 1224 während einer Fastenzeit empfangen hatte) erkennbar. Zu der von den Biografen als "Vogelpredigt" bezeichneten Szene gesellen sich wilde Tiere (solche von der Vita abweichenden Darstellungen kamen erst in spätmittelalterlichen Überlieferungen auf).

6. HIR ET FRATER FRANSISKUS MIT DEM KARDINALE – Franziskus ist zu Gast bei Kardinal Leo in Rom, wird aber in der ersten Nacht von den Teufeln so schwer heimgesucht (obere Darstellung), dass er dies als Strafe für seinen Aufenthalt interpretiert und alle Versuchungen der Üppigkeit an der Tafel ablehnt.

7. HIR ERWEKKET FRATER FRANSISKUS EINE DOTGESTREKET MINSCHEN VAN DEN DOT – Der Tote ist Johannes von Ilerda, der von einem Räuber verwundet worden war und vertrauensvoll Franziskus um Heilung gebeten hatte. Die Wundertat wird hier, abweichend vom Vitentext, direkt am Schauplatz des Verbrechens dargestellt.

8. HIR STERBEDE HILLIGE VADER FRANSISKUS – Zu sehen ist der hinscheidende Heilige auf einer geflochtenen Matte in seinem Habit, umgeben von fünf Brüdern; einer besprengt ihn mit einem Weihwasserquast, der Guardian bedeckt ihn mit dem Habit.

2. Wandlung – Festagsansicht

In seiner Festtagsansicht, die gegenwärtig nicht in der Ausstellung gezeigt wird, enthält der Altar Schnitzbildwerke:

1. Im Mittelschrein steht Maria als Schmerzensmutter mit gefalteten Händen in der Gloriole. Dübellöcher mit abgebrochenen Zapfen in der Gloriole weisen auf verlorengegangene Engelsfiguren, Wappen, Rosen mit den Wunden Christi o.ä. hin. In ihrer Brust sind Spuren der früher dort angebrachten sieben Schwerter, als Symbole der sieben Schmerzen, vorhanden. Sie trägt ein weißes Kopftuch, einen goldenen Mantel mit blauem Futter und ein goldenes Untergewand mit rotem Ornament.

2. Darunter befindet sich in einem dreigeteilten Schrein eine Darstellung der Stigmatisation des Heiligen Franziskus in Gegenwart seines schlafenden Ordensbruders, begleitet von Jacobus maior links (gekennzeichnet durch Hut mit Pilgermuschel) und einem bärtigen Heiligen ohne Attribute; beide halten Spruchbänder, deren Inschriften verloren sind.

3. Die Plastiken des linken Flügels zeigen oben die Begegnung von Maria und Elisabeth in einer felsigen Landschaft.

4. Die Grablegung Christi durch zwei bärtige Männer, wohl Nikodemus und Joseph von Arimathia, die den Leichnam auf einem Tuch ins Grab betten; hinter dem Sarkophag steht Maria, im Hintergrund sind zwei weitere Marien und Johannes evangelista dargestellt.

5. Die Plastiken des rechten Flügels zeigen oben Maria´s Tempelgang; Die kleine Maria wird auf der Treppe von einem Priester in Empfang genommen, während das Elternpaar Anna und Joachim und ihre Begleiter mit schmerzerfüllten Mienen Abschied nehmen.

6. Unten der Marientod; Zwölf Apostel um das diagonal eingestellte Sterbebett, am Kopfende Petrus; Johannes evangelista gibt Maria eine Kerze in die Hand, rechts neben ihm Jakobus maior mit Pilgerhut u. Muschel.

3. Wandlung – Alttagsansicht

Die 3. Wandlung, die Alltagsansicht, zeigt bei Schließung des Retabels vier Heilige in illusionistisch gemalten Schreinen:

1. Madonna auf der Mondsichel im Strahlenkranz mit Nelke.

2. Heilige Clara von Assisi; ausgewiesen durch Gewandung und Monstranz; der Legende nach war sie die erste Jüngerin von Franziskus.

3. Johannes evangelista; ausgewiesen durch den Kelch.

4. Heiliger Franziskus bei seiner Stigmatisierung; Erscheinung des Gekreuzigten, in deren Folge bei Franziskus Wundmale, an Händen und Füßen sichtbar, aufbrechen wie bei diesem.

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